Guards, Guards!
[Bilder vom 09.07.07]

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Wachen, Wachen! - so heisst eines meiner Lieblingsbücher vom Fantasyparodiemeister Terry Pratchett. Und fast auch wie die Trolle, Zwerge, Menschen und Nobby auf der Scheibenwelt bin ich nun im Sicherheitsdienst, genauer auf Sonntagswache.
Sonntagswache ist nicht wie Gefängnis, im Gegenteil! Man ist zwar auch eingesperrt, aber zum Glück ausserhalb der Arrestzelle. Das ist dann aber auch schon fast der Einzige Unterschied zum Arrest. Man sitzt in einer Wachloge am Kaserneneingang und fühlt sich in diesem Aquarium wie ein Fisch, ausser vielleicht dass man in der nun endlich julihaften Hitze etwas mehr schwitzt als die schuppigen Kaltblütler. Als Wachkommandant schiebe ich Wache mit vier Soldaten und einem Truppenkoch. Wir besetzen zwei Posten, und führen täglich mehrere Patroullien durch, um das Kaserneareal zu sichern und Eindringlinge fernzuhalten. Mit sowenig Leuten gibt das recht häufige oder recht lange Schichten, je nachdem wie man es sich einrichtet.

Sonntag morgen um 06:00h. Eine Brasilianerin lächelt mir vom Einband meiner Gefechtsmappe her zu, während die ersten Sonnenstrahlen langsam die Kaserne erreichen. Meine Schädel dröhnt von einer langen, langweiligen Nachtschicht in der ich Motten aus dem Wachlokal verjagt, Eistee getrunken und nebenbei auch noch Gallien unterjocht habe. Immerhin gab's kurz vor Sonnenaufgang mal Zoff zwischen der Kasernenkatze und einem Marder. Sonst war tote Hose. Nein! Stimmt nicht! Ein Hase kam auch noch mal vorbeigehoppelt! Ob er dem Fuchs gute Nacht gewünscht hat weiss ich nicht, aber es könnte gut sein, so abgelegen wie wir sind...

Höchste Zeit aber, mal wieder rauszugehen, sich die Füsse zu "vertrampen" und Euch dabei auch gleich mal die Kaserne zu zeigen!


So ohne Schlümpfe und Ausbilder ist die Kaserne ein sehr friedlicher Ort. Die Kaserne Neuchlen ist eine der neuesten der Schweiz und       
tatsächlich sehr modern und angenehm eingerichtet. Es gibt sogar ein Spielzimmer mit Billard und Töggelikasten, sowie ein Lesezimmer   
mit kleiner Bibliothek, zwei kostenpflichtigen PC's und WLAN-Anschluss - sozusagen mein Büro hier. Im rechten Bild aber mein Büro über   
das Wochenende: die Wachloge. Hier wachen grad die Soldaten Marending und Gamper während ich mich auf die Patroullie mache.           

Vor der Kaserne finde ich die Fahnen von Gossau, die Schweizerfahne sowie die Flagge von St.Gallen, die wir im Gedenken an die kürzlich an der Jungfrau verunglückten Rekruten auf Halbmast gesetzt haben.


 

...

 


Weiter geht's aber um die Kaserne rum. Scheinbar dürfen wir keine Panzer ins Soldatenrestaurant        
mitnehmen. Tja, dann halt nicht. Und was das wohl für eine Schattengestallt sein könnte?                    


Die Kaserne ist in die sehr hübsche Hügellandschaft St.Gallens eingebaut, mitten in einem grossen Waffenplatz der über sehr viele          
ökologisch interessante Gebiete verfügt! Hier im Bild aber die Landwirtschaftszone sowie das Zelt des Walter Zoos, einer Kombination    
zwischen Zoo, Zirkus, Restaurant und Eventhalle. Obwohl, für Zirkus müssen wir ja gar nicht zur Kaserne raus...                                     


Im Gelände selbst herrschen artenreiche Trockenwiesen vor. Nur schon akustisch gut zu erkennen wo die Kaserne anfängt - wenn's zirpt    
ist man drin, wenn nicht ist man noch in der Landwirtschaftszone. Zudem gibt's recht schöne Bäume auf dem Areal.                                 


So ein gemütlicher Sonntagsspaziergand im Grünen zaubert natürlich auch ein Strahlen ins Gesicht wenn man selbst grün ist. Und            
rechts wieder ein Bild aus der beliebten Serie "Füsse in den Bächen der Welt" - heute aber mal trockengelegt. Wenn ich denke dass ich    
vor nur wenigen Wochen noch genau mit diesen Stiefeln durch den Urwald gestampft bin...                                                                    


Diesem Spielplatz hier fehlt eindeutig ein Seiliplampi und eine Rutschbahn. Sonst ist bei der NATO-Kampfbahn eigentlich alles dabei,       
was einem im Weg stehen kann. Zum Glück bin ich aus dem Alter raus! An den Baumstämmen und Tischen rechts lernen übrigens die     
Rekruten, wie man Sprengladungen baut und an Sprengobjekte anbringt.                                                                                              


Meist stehen die Bäume auf den Schweizer Hügeln ja immer genau auf der Spitze, aber hier hat man beim Pflanzen scheinbar nicht genau
getroffen - und das neben einer Institution in der Zielsicherheit gelehrt wird. Tss Tss. Rechts nicht das Bourbaki-Panorama, sondern das   
runde Wachtgebäude der Kaserne.                                                                                                                                                         


Schliesslich bin ich durch mit meiner Patroullie, und alles wurde als in Ordnung und gesichert befunden. Ich schaue noch ein wenig den     
hier sehr häufigen Heissluftballons zu und mach mich dann auf auf eine weitere Schicht im Aquarium. Zum Glück ist bald Montag - auch  
irgendwie ein komischer Gedankengang, was?                                                                                                                                      

 

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