Raus damit!
[Bilder von 14.8.07]

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Stichtag!!! Nur knapp mehr als 2 Monate sind vergangen seit wir unsere Proben hier in Guyana im Bach versenkt haben, und laut unseren Schätzungen könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, um das Experiment zu beenden und die Analysen zu beginnen.

Eigentlich hätten wir gerne dass bereits 60% der mittleren Laubart abgebaut wurde wenn wir die Proben rausnehmen, aber die Berechnung - oder besser Abschätzung - dieses Zeitpunkts ist knifflig. Zudem sind wir von externen "Grenzen" wie z.B. meinem Militärdienst gebunden, möchten gleichzeitig verhindern dass bereits zuviel, oder auch zuwenig Material abgebaut wurde, und natürlich kennen wir das Abbauverhalten der tropischen Blätter und Bäche noch nicht! Wirklich seeehr knifflig...

Egal, wir haben uns für ein Datum entschieden, und hier stehen wir wieder vor dem Wald und machen uns bereit...


Andy bindet sich schon mal seine Kampfstiefel um, während Elini bereits in ihre soeben erst bei einem  
lokalen Chinesen gekauften Gummistiefel übergestülpt hat.                                                                 


Und schliesslich noch ich mit Thomas' Renault...                              

Ach ja, der Renault...

Irgendwo zwischen Kourou und Probenahmestelle hat der Renault begonnen, mit der Kooperation mit mir aufzuhören! Das Schalten wurde immer schwieriger, und bei der Probenahmestelle war es fast nicht mehr möglich, irgendeinen Gang reinzukriegen. Als wir dann mit Tonnen geretteter Laubsäcklis (der Teil der Expedition verlief reibungslos und wie erhofft ohne Probleme) und Ketten wieder unser Töff-Töff bestiegen, wurde die Lage mit den Gängen immer prekärer, und vor den Toren des Instituts gab das Auto dann seinen Geist grad ganz auf. Aber immerhin haben wir es zurück geschafft und unseren wertvollen Proben sind heil im Labor angekommen!

Und sofort stürzten wir uns auf unsere Proben! Es galt die Monokulturen - also alle 75 Laubsäckli mit nur einer Laubart - herauszusortieren und schnellstmöglich zu bearbeiten, denn von diesen Proben nahmen wir auch Sporolations- und Ergosterolproben, was frisches Material voraussetzt, während die restlichen rund 200 Proben eingefroren und später analysiert werden können.

Das Laubmaterials wird einfach gereinigt, sortiert und später getrocknet und gewogen um die Abbaumasse zu bestimmen.

Ach ja, Sporolationsversuche machen wir um herauszufinden wie viele und welche Pilzarten unsere Blätter besiedelt haben. Dazu schneiden wir kleine Blattscheiben aus, legen sie in Petrischalen, geben 20ml Wasser hinzu und lassen die Pilze während einer definierten Zeit unter leichtem Schwenken sporolieren. Da wir uns im Projekt noch nicht genau festgelegt haben wie lange Sporoliert werden soll, haben wir (oder besser gesagt Andy, bei dem wir die Schüttelanlage aufgebaut haben - der arme Kerl musste somit mit Ohropax schlafen damit ihn das ständige NJANN-NJANN-NJANN des Schindlerschen Lego-Schüttlers - auch genannt MOST für "Modular Orbital Shaker, Transportable" - nicht störte) das sogar zweimal gemacht. Nach der Sporolation wird die Sporenlösung aus den Petrischalen in kleine Transportgefässe gefüllt und mit etwas Formalin konserviert. Die verbleibenden Blattscheiben werden eingefroren und für spätere Ergosterolbestimmung beiseite gelegt. Ergosterol ist ein weiterer Parameter um die Pilz-Biomasse in unseren Blättern zu bestimmen.


Hier Andy beim Putzen einer Laubprobe, sowie rechts eine Probe aus der das Laub bereits entfernt wurde. Aufgabe ist es nun, im             
verbleibenden Material nach Insekten und anderen Makroinvertebraten zu suchen, die am Laubabbau beteiligt sind. Diese werden             
gepflückt, eingeschnapst und nach Hause gebracht, wo sie dann bestimmt, vermessen und ausgezählt werden. Aber wie bereits in            
vorherigen Blogs erwähnt: es sind kaum Viecher da!!!                                                                                                                            


Elini scheint's auch Spass zu machen - tja, nach       
den ersten paar Proben ist's auch noch nicht all        
zuuuu langweilig...                                                

Und so arbeiteten wir also mehrere Tage um unsere Proben transport- und analysefertig zu machen. War ziemlich anstrengend, aber wir haben es schliesslich erfolgreich geschafft!

Aber für heute Abend war noch etwas spezielles vorgesehen: Ein Ariane-Start! Das letzte Mal hatten wir ja zwar das Glück, ebenfalls in Guyana zu sein als ein Raketenstart geplant war, haben es aber wegen schlechtem Wetter und suboptimalem Timing nicht wirklich geniessen können.
Dieses Mal waren wir aber genau rechtzeitig am von schaulustigen gesäumten Strand von Kourou bereit, um dem Spektakel beizuwohnen. Pünktlich um 20:44h Local Time ging dann im Nordwesten die Sonne auf! Die blendenden Flammen der Vulcain-Triebwerke und Booster der Ariane V erhellten die ganze Umgebung. Nach ein paar Sekunden stiess die 50m-Rakete durch eine tiefe Wolkenschicht, was zu einem genialen Special-Effect wurde, und brummte dann über unsere Köpfe Richtung Umlaufbahn. Schliesslich wurden die Booster abgesprengt und die Hauptstufe machte sich als nun nur noch winziges Pünktchen auf auf ihren langen einsamen Weg um irgendwo über uns einen amerikanischen Kommunikationssatelliten und eine Italienische Forschungssonde abzusetzen...

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