Schildkröten-Prolog
[Bilder vom 18.05.07]

Inhalt   Vorheriger Eintrag   Nächster Eintrag


Für's Wochenende hatten wir wieder mal grosse Pläne: Wir hatten vor, den berühmten Schildkröten-Strand von Mana zu besuchen, weit weit im Westen von Guyana,  175km oder rund 2 Autostunden von Kourou entfernt. In Mana wollten wir in der Hängematte übernachten und dann am Samstag in St.Laurent du Maroni, der grössten Stadt im Westen des Landes und dem Grenzübergang nach Surinam, zu unseren Kollegen vom Institut stossen und mit ihnen ein Reggae-Konzert besuchen.

Wir packten also unsere Hängematten, Moskitonetze, viel Futter und sonst viel Zeugs und fuhren los. Die Fahrt war weitgehend unspektakulär - ausser vielleicht der Verkehrskontrolle in einem kleinen Kaff zwischen Mana und Kourou: das sonst stille Örtchen war weitgehend von Soldaten der Fremdenlegion infiziert und alle Durchreisenden wurden kontrolliert. Wieso die Kontrolle stattgefunden hat wissen wir nicht. Vielleicht stöberten sie nach Terroristen und suchten bloss - verwirrt vom Ortsnamen Irakubo - am falschen Ort? Man weiss es nicht...

Schliesslich kamen wir gegen Abend am Strand an, an dem so viele Meeresschildkröten zu sichten seien, und so präsentierte sich uns das Gelände:


Ein weiter Sandstrand, starker Wind und einsetzender Regen begrüssten uns. Rechts ein Fischerboot von einem der einheimischen           
Amerindios vom Ort Awala-Yalimapo...                                                                                                                                                 


Ein einzelner Keimling trotzt am Strand den salzigen Fluten und kann sich, trotz ständigen Wellen, irgendwie im weichen Substrat            
verankern. Respekt! Doch das Meer ist weit, das Meer ist grau, und nirgends auch nur eine Schildkröte zu sehen.                                   


Die einzigen sichtbaren Tiere sind Geier, die in recht sauberer Formation den Strand patrouillieren, vermutlich auf der Suche nach frisch  
geschlüpften Schildkrötchen. Sonst ist der Strand recht leer...                                                                                                                


Der Schein trügt: trotz Andy's Kleidung ist es am Strand angenehm warm. Und der rechts kauft sich       
glaubs bald mal 'ne Peitsche - die passt so gut zum Hut...                                                                    


Gekonnt sucht des Spähers Auge den Strand ab - und findet auch tatsächlich Hinweise auf Schildkröten: Rechts sichtbar die Spuren          
eines Weibchens, das nach der Eiablage zurück ins Meer robbte. Abstand zwischen den Traktorartigen Spuren war etwa 1 Meter!             


Wir finden auch alte Eierschalen, die freigelegt wurden.                                                                      


Weggespülte Spuren...                                                                                                                      

Ohne eine Schildkröte gesehen zu haben machen wir uns auf um in der Jugendherberge beim Strand einen Platz für unsere Hängematte zu suchen - was denn auch trotz hunderten von Mosquitos, die uns auszusaugen suchen, schliesslich gelingt. Nun sitzen wir da unter einem hohen Holzdach. Eine Brasilianerin lächelt uns vom Etikett eines Importbieres zu.
Eine weitere Brasilianerin lächelt uns von hinter einem Bier her zu: Elini arbeitet als Freiwillige für eine lokale Umweltschutzorganisation und erzählt uns das sie auf ihre Leute vom Team wartet. Sie freut sich über unseren Insektenspray (und das Brasilianische Bier) und bringt dann die Schweizer Biologen ins Maison de la Nature, wo wir den Trupp der lokalen Schildkrötenzähler und Forscher kennen lernen und spontan zu einem Ti'Punch eingeladen werden.


Gruppenbild mit zwei Schildkrötenfreunden und 2000 Mücken (im      
Bild nicht zu erkennen)...                                                                

Die Schildkrötenmenschen erklären uns dass die Tiere in der Nacht bei Flut zu erwarten seien, so zwischen 4 und 5 Uhr, und raten uns, unsere Hängematten also zeitig zu verlassen. Der kleine Schildkröten-Trupp zieht weiter um irgendwo was zu essen, während wir einen letzten Blick auf den Strand werfen wollen, bevor a) der Regen und b) die Schläfrigkeit so richtig heftig einsetzen.

Am nun stockdunklen Strand beginnen wir unsere Suche. Schon nach wenigen Metern vernimmt Andy ein lautes Schnauben und ruft mich zu sich: Er hat eine Lederschildkröte gefunden!!!

Vorsichtig pirschen wir uns von hinten an das Tier heran. In der Dunkelheit ist nur zu erahnen, wie riesig die Schildkrötenmutter ist, bloss ein dunkler glänzender Schatten hebt sich schwach vom Hintergrund ab. Die Schildkröte ist gerade dabei unter grössten Anstrengungen ihre Eiergrube zu tarnen, und uns fliegen einige Schaufelladungen nassen Sand um die Ohren. Heftiger Regen setzt ein, was der erschöpften Lederschildkröte natürlich zugute kommt, uns aber innert kürzester Zeit völlig durchnässt. Wir bleiben bei der werdenden Mutter bis sie, schnaufend und müde, wieder in den Fluten des Atlantiks versinkt und ihre weite Reise fortsetzt.

Glücklich und stolz, dieses grossartige Ereignis aus nächster Nähe miterlebt zu haben und - wieder einmal - klatschnass machen wir uns auf zur Unterkunft um uns was zu Essen zu kochen und ins in die Matte zu hauen.


Links unser Auto/Wäscheleine/Abstellkammer. Wir hatten wirklich ALLES dabei was ernsthafte Wissenschafter dabeihaben müssen:        
Rucksäcke, Hängematten, Mosquitonetze, Kampfstiefel, Gummistiefel, Benzinkocher, Pasta, Reibkäse, ein 5 Liter Bidon mit Eiswasser,   
Mückenspray, diverse Taschenmesser, Kerzen, Rum, Zuckerrohrsirup, Limetten, Kleider für ca. 3 Tage, Notfallapotheke, Vesta,               
Kompass, Karte, ja selbst Armiereisen und Hammer (man weiss ja nie wenn man ein Laubsäckli versenken will...) hatten wir eingepackt. 
Wir hatten wirklich an ALLES gedacht - ausser an so Kleinigkeiten wie Besteck, Teller und Becher...                                                         
Rechts sieht man somit einen sehr hungrigen Umweltnaturwissenschafter beim Versuch, Makkaroni mit Käse und Sackmesser zu sich zu    
nehmen.                                                                                                                                                                                              

Dann hängten wir uns in unsere Hängematten und harrten fröstelnd der Dinge die da kommen sollten. Schon erstaunlich wie unangenehm so eine steife Brise sein kann wenn sie einem durch die Hängematte pfeift. Und so als Banane zu schlafen ist man sich auch nicht wirklich gewohnt. Schliesslich ergaben sich auch unsere Körper den herrschenden Begebenheiten und schlummerten leicht im Winde baumelnd ein...

 

Inhalt   Vorheriger Eintrag   Nächster Eintrag