Dermochelys coriacea
[Bilder vom 19.05.07]

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Um 4:30 Uhr - also schätzungsweise 5 Minuten nachdem wir endlich eingeschlafen waren - klingelte mein Wecker: Zeit aufzustehen, oder besser gesagt runterzuklettern, um noch mehr Schildkröten zu suchen! Ja, hier auf dieser Seite kriegt Ihr sie nun endlich zu sehen, die Lederschildkröte Dermochelys coriacea (L.), die grösste Meeresschildkröte der Welt!

 


Der Strand wie er sich uns kurz vor Sonnenaufgang präsentierte. Auf dem linken Bild erinnert ein feuriges Auge am Horizont and              
Geschichten mit dunklen bösen Hexenkönigen, Orks und Trollen. Ob Mount Doom ausbricht und die Horden der Finsternis Minas Tirith      
belagern? Nein, natürlich ist es nur ein ganz normaler Morgen, und auch als solcher zu erkennen wenn man nicht versucht weit entfernte   
Wolken anzublitzen...                                                                                                                                                                          

Auch bereits wieder nach den ersten paar Metern Strandspaziergang in noch stockdunkler Nacht - ein ziemliches Gestolper bei dem ganzen Treibgut hier - finden wir unsere zweite Schildkröte in dieser Nacht. Da das Fotografieren der Tiere mit Blitzlicht  während Nestbau und Eiablage streng verboten ist - die Schildkröten könnten dadurch so verschreckt werden dass sie unverrichteter Dinge wieder ins Meer flüchten - kriegt Ihr auch hiervon noch keine Schildkrötenbilder, sorry. Das riesige Reptil ist gerade dabei ihre Eierkammer mit ihren hinteren Flossen auszuheben, und wir können schliesslich beobachten wie sie ihre Eier in die Grube legt. Man hört der Mutter ihre Anstrengung richtig an, wie sie schnaubend ihre Arbeit verrichtet. Eine gute Stunde sind wir alleine bei der Schildkröte, bevor die ersten beiden Amerindios unserer Schildkrötenzähler zu uns stossen, das Tier markieren und weiterziehen.

Nun, während die Lederschildkröte ihre Eigrube zuschaufelt (und sich mehr Forscher und Freiwillige zu uns und der schuppigen Lady gesellen) darf ich sie auch mit Blitzlicht fotografieren und kann Euch die stolze Mutter nun endlich präsentieren:


Ist sie nicht wundervoll? Das Mädel hat einen Panzer von ca. 1.20m Länge und wiegt laut Schätzung des Schildkrötenforschers (im            
rechten Bild mit schwarzen Shirt) so gegen 400 Kilo - selten findet man gar Exemplare mit unglaublichen 900kg! Charakteristisch ist für   
diese grösste Meereschildkrötenart die ledrige Haut, die sich über ihren Rückenpanzer zieht.                                                                  


Hier ein weiteres Exemplar, bereits von den Forschern gezählt und markiert (siehe Kreuz auf dem Panzer). Wer aufs linke Bild klickt        
kriegt übrigens einen 1.5MB schweren Film zu sehen, in dem die Schildkröte in Aktion zu sehen ist. Erwachsene Lederschildkröten           
ernähren sich übrigens ausschliesslich von Quallen. Ein grosses Problem für sie ist das im Wasser treibende Plastikbeutel oft mit ihrer     
Leibspeise verwechselt werden und die Tiere daran verenden.                                                                                                               


Schliesslich entschwindet auch dieses Weibchen nach einer anstrengenden Nacht wieder in die Tiefen des Atlantiks. Sobald sie wieder in  
ihrem Element angekommen sind wandeln sie sich vom plumpen Kriechtier in eine recht behende, im Ozean förmlich fliegende Grazie.     


Über Funk erreicht ein Hilferuf die Schildkrötenforscher und wir machen uns auf um nachzusehen:        
Viele frisch geschlüpfte Grüne Meeresschildkröten sind im dichten Pflanzenteppich oberhalb des           
Strandes in die falsche Richtung losgewatschelt und müssen eingesammelt und neu "ausgerichtet"        
werden. Ich konnte selber ein paar dieser unheimlich süssen Winzlinge aufpflücken und ihnen ein         
kleines Stück auf ihrem schwierigen Weg helfen - ein ganz besonderes Gefühl!                                    
 


Und so watscheln den die Kleinen...


...lustig und recht flink...                                                               


...zielgerichtet ihrer neuen Heimat entgegen.                                  

 


Der Schildkrötenpflücktrupp ist zufrieden: die Schildkrötchen sind     
im Meer! Doch jetzt beginnt ihr Überlebenskampf erst so richtig...   

 


Viel Glück meine Lieben!

 


Schliesslich ist wieder Zeit aufzubrechen, und wir binden unsere Hängematten wieder los. Links unsere luftige Schlafstätte im Carbet im  
nun schon gewohnten Tropenregen...                                                                                                                                                   


Auf geht's nach St.Laurent du Maroni! Die Strassen sind fast menschenleer - es schlafen wohl alle vor für das Reggae-Fest am Abend...   


Links der Palace de la Justice, und rechts der Camps de Transportation, die alte Gefängnisanlage. Französisch Guyana war ja lange Zeit   
eine traurige Sackgasse für französische Gefangene...                                                                                                                           


...woran auch dieser angekettete Hoffnungslose erinnern soll.          


Möglicherweise gab die braune Farbe des Wassers dem Fluss Maroni seinen Namen. Kastanien hab ich jedenfalls keine gesehen. Oh, und 
fällt Euch bei der Insel im rechten Bild was auf?                                                                                                                                     


Ist gar keine Insel, sondern ein vor Jahren aus Grund gelaufenes und von der Natur geentertes Schiff! Recht noch ein Sendemast. Diese   
Türme sieht man im ganzen Land sehr häufig, und wie wir erfahren haben funktioniert ein grosser Teil des Soziallebens nur dank             
Mobiltelefonie: ohne Portable kennt dich hier keine Sau...                                                                                                                     


Schliesslich machen wir auch einen auf Tourist und warten in einem sehr gemütlichen  - und erstaunlicherweise sogar geöffneten -           
Resto bei einem kühlen Bier auf den Anruf unserer Kumpels...                                                                                                               

Diese waren nämlich fürs Wochenende in Surinam und wollten uns hier in St.Lo treffen, was dann nach einer längeren Wartezeit - zumindest zum Teil darauf beruhend das die Definition "vor dem Markt" auch "hinter dem Markt" sein kann, je nach dem ob man aus Richtung Mana oder aus Richtung Surinam kommt, auch passierte. Dann wurden wir aber wieder getrennt, da die ständig wachsende Gruppe an verschiedensten Orten Unterkunft bezog. Aufgrund des schlechten Wetters sowohl draussen als auch in meinem Kopf (sprich Migräne oder so) und der allgemein im Schweizer Team herrschenden Müdigkeit beschlossen wir uns nach zwei Runden Saft und Cola schliesslich, den theoretisch um 21 Uhr beginnenden Reggae-Abend abzublasen und nach Kourou zurückzufahren. Unterwegs, nach Tabletteneinwerf- Wassertrink- und Mückenkill-Pausen, kriegten wir schliesslich ein Texto (=SMS) dass unsere Reggae-Freunde nun endlich ins Konzertareal einmarschieren, so gegen 23 Uhr war das: wie wir in der Zwischenzeit erfahren haben ist unseren Kollegen ein Auto ausgestiegen, und ein zweites benötigte einen impromptu Reifenwechseln vor St.Lo! Soviel Pech aber auch...

In Kourou angekommen konnten sich unsere von Hängematten und Autosesseln durchgebogenen Rücken endlich total entkrampfen und wir waren sehr sehr schnell weggetreten...

 

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