Wieder mal am Beutel nähen
[Bilder vom 25.04.07]

Inhalt   Vorheriger Eintrag   Nächster Eintrag


Tja, auch das gehört zum Experimentieren: wir sind mal wieder am Beutel basteln!

So zur Erklärung weshalb: wir nehmen in unseren Experimenten ja Laub, packen es in Netzbeutel, versenken diese in irgendeinem eigentlich sonst unschuldigen Gewässer, nehmen die Beutel nach einer gewissen Zeit wieder raus, entfernen das Laubmaterial, ekeln uns ein wenig an dem verrottendem Material, bearbeiten es aber trotzdem und analysieren das ganze dann auch noch statistisch. Bis dahin ists aber ein langer Weg, sowohl im Bezug auf Arbeitsschritte als auch (juchee) in diesem speziellen Falle geographisch. Es sind doch immerhin 7'600km von Kastanienbaum nach Kourou!

Für's BioCycle-Experiment in Französisch Guyana benötigen wir total über 225 Laubsäckchen in drei Maschengrössen. Nicht etwas aus optischen Gesichtspunkten streben wir diese Diversität an, sondern um gewisse Organismen schlicht nicht an unser Laub heranzulassen! Bei der feinsten Maschenweite von 0.25mm kommen etwa nur Pilzsporen und Bakterien an die Blätter ran, die wir in den Bach hängen wollen, bei den mittleren Säckli mit 1mm Machenweite auch kleine Insekten und Krebstierchen, und bei der 5mm grossen Masche kommen dann auch noch grössere Krabbelviecher dran, ausser vielleicht die ganz dicken Brummer wie Elefanten und Nashörner. Wir können so also genau sehen wer für den Abbau des Laubs in den tropischen Bächen vor allem verantwortlich ist. Simpel, aber funktioniert.

Was für Brummer wir in den Tropen tatsächlich antreffen werden wissen wir noch nicht - das macht's ja so spannend! Vielleicht gibt es kaum solche laubfressenden Schredder im Südamerikanischen Dschungel? Oder es sind grad umgekehrt sehr effiziente, schnell abbauende Tiere? Piranha-Käfer?!? Die gemeine amazonische Laubknabberkrabbe?!?

So ungefähr in einer Woche können wir uns davon mal ein Bild machen, wenn wir in den Bächen um Kourou kneipen gehen, aber bis dahin müssen eben noch die 225 Säckli genäht werden - und das sieht so aus:


Die Bernina-Nähmaschine als wissenschaftliches Gerät: Hier baut     
Doris Hohmann gerade einen 1mm-Laubsack...                               


...und auch Andy Bruder hat sich als erfahrener Näher erwiesen.

Ich selbst nähe eher schlecht, hab dafür an den groben Beuteln rumgebaut, denn die werden von Hand per Nylonschnur zugebunden und mit der Heissleimpistole fixiert - das liegt für 'nen alten Modellbauer grad noch knapp drin. Hier mal wie die Säcke am Schluss aussehen:


Links ein feiner, in der Mitte der mittlere und rechts der grob-         
maschige Laubbeutel.                                                                    

Was man mit Nylon nicht alles machen kann. Eigentlich schade die Beutel in den Bach zu hängen, denn wenn wir sie rausnehmen sind sie dreckig, mit verrottendem Laub gefüllt und stinken nach Fisch (und das nur im besten Fall...).

Die Beutel messen 16x21cm und werden beim französischen Zoll wohl für einiges Kopfkratzen sorgen - aber das sind wir Wissenschafter uns ja gewohnt. Wir werden neben dem Beutel-Material und allem Werkzeug sogar auch noch Erlenlaub aus dem Schwarzwald mitnehmen - als ob's im Dschungel nicht schon genug Laub hätte!
Die Idee dahinter ist natürlich dass wir neben den Tropischen Laubarten auch eine uns wohlbekannte Laubart gleichzeitig verwenden um abschätzen zu können wie die tropischen mit "unseren" Arten vergleichbar sind. Aber Blätter in den Dschungel fliegen?!? Ts, ts, ts...

Aber jetzt gehts erst mal weiter mit Etiketten ausdrucken, Datalogger programmieren, Hosen kaufen, Post umleiten und ähnlichem Zeugs...

 

Inhalt   Vorheriger Eintrag   Nächster Eintrag